Dorfleben vs. Stadtleben – mein persönliches Fazit dazu

Ich bin ein Dorfkind und stehe dazu und werde im es Herzen wohl auch immer eines bleiben. Sehr große Teile meines Lebens wohnte ich auf dem Dorf in einer relativ ländlichen Gegend, auch wenn diese heute nicht mehr ganz so ländlich ist wie man meinen würde. Denn Teile eines nahegelegenen Kornfeldes mussten der Bodenversiegelung und Bebauung komplett weichen und ich wurde Zeuge dieser Bebauung der ländlichen Flächen.

Doch insgesamt ist das, wenn man so will, ein sehr beschaulicher Ort gewesen. Ich werde in diesem Beitrag auf einige Vor- und Nachteile des Lebens auf dem Dorf und in der Stadt erläutern wie ich sie erfahren habe und ein wenig zurückschauen auf die Zeit, als ich noch „in der Provinz“ lebte und ein wenig was dazu sagen.

Das ganze hier gibt nur meine eigene, persönliche Meinung und Erfahrung wieder, bei jedem kann das ein wenig anders sein.

So ein Leben auf dem Lande hat schon was, man ist fern jeglichen Stadtlärms und Trubels der einen auf der Stadt begegnet. Und die Kriminalitätsrate ist auf dem Dorf auch generell deutlich niedriger, man lebt dort also sicherer. Richtige Problemviertel habe ich auf Dörfern bisher so noch nicht erlebt, oder ich bin einfach noch nicht weit genug herumgekommen und/oder hatte einfach das Glück, immer relativ gute Orte besucht zu haben wo generell nicht wirklich was los ist.

Wie das nun ist mit dem Lärm und der Sicherheit, kommt auch darauf an, wie groß denn nun das Dorf ist und in welchem Ortsteil genau man wohnt.

Denn von dort wo ich herkomme, gab es schon gewaltige Unterschiede, je nach Ortsteil. Da gibt es zum einem ein paar große Hauptstraßen bzw. je nach dem wie man das betrachtet, zum anderen sehr ruhige Stellen mit Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und nur vereinzelt größere Mehrparteienhäuser mit vielen Mietparteien. Und dann gibt es noch die Orte die wie eine richtige kleine Innenstadt aussehen und richtig lebendig sind.

Klar gibt es sowas ähnliches in einer Stadt, sicherlich auch in einer richtigen Großstadt auch, doch gerade die ruhigeren Stellen sind dort weniger häufig vertreten, es verhält sich meiner Meinung nach also genau umgekehrt. Richtiger Trubel ist auf dem Lande, auf dem Dorf eher Mangelware, dafür hat man im Idealfall die totale Ruhe. Auf der Stadt dagegen ist richtig was los, da ist durchaus für jeden was dabei, allerdings ist es nicht überall wirklich ruhig, außer nachts vielleicht.

Wulfen, ein beschaulicher kleiner Ort

Ich will, damit das klar ist, hier auch sagen, welches Dorf bzw. welche Dörfer ich als Referenz für meine Vergleiche und Erfahrungen heranziehe. Auch um eine Vorstellung dafür zu geben, was das für Orte sind, sodass sich jeder ein Bild davon machen und diese vielleicht sogar selbst mal besuchen und in Augenschein nehmen kann.

Das Dorf in dem ich aufgewachsen bin, heißt Wulfen und liegt nördlich von Dorsten, diese Kleinstadt wiederum liegt ca. 25 Km nördlich von Gelsenkirchen. Damit sollte in ungefähr klar sein, wo dieser Ort liegt. Es ist zwar nicht mitten in der Pampa und weit weg vom Schuss, aber es sind schon einige Kilometer hin bis zur nächsten Stadt. Und der Starkoch Frank Rosin hat dort auch sein Restaurant, Restaurant Rosin oder wie dieses heißen muss. Ich bin schon oft genug daran vorbeigegangen.

Der ÖPNV dort ist durchaus ganz gut, wenn man mal eben in die nächste Stadt fahren will, sei es um Einkäufe zu erledigen, bestimmte Termine wahrzunehmen oder weil man zur Schule muss oder sonstwas. Aber wenn man mal nach Düsseldorf oder noch weiter weg muss, wird das dann schon schwerer und sehr viel zeitaufwändiger, da lohnt sich ein eigenes Auto schon sehr viel mehr.

Ich jedenfalls habe dieses Dorf als einen relativ ruhigen Ort erlebt, an manchen Stellen geradezu verschlafen. Man kann so gut wie immer gefahrlos über die Straße gehen, Autos kommen kaum vorbei. So können auch Kinder durchaus sehr sicher spontan auf der Straße spielen ohne viel befürchten zu müssen und das habe ich früher auch so gemacht. Und kam mal doch ein Auto vorbei, dann gingen wir schnell kurz auf den Bürgersteig und dann wieder zurück auf die Straße und spielten einfach weiter.

Gerade in den 90ern und den frühen 2000ern hatte ich trotz einiger schlechter Phasen eine durchaus relativ gute Zeit, vor allem der Nähe zur Natur wegen. Und darüber kann ich so einige Geschichten erzählen.

Ein paar hundert Meter weiter südlich, gewissermaßen im südlichen Outback des Dorfes, steht ein Bauernhof an dem ich in frühen Kindheitstagen mit meiner Mutter oft vorbeigingen, vor allem die Schafe, Kühe und Pferde waren dabei sehr spannend. Überall konnte man fast nur noch Feld, Wald und Wiese sehen, steht dieser Bauernhof doch direkt am Waldesrand.

Seit meiner damaligen Zeit auf dem Kindergarten kenne ich diesen Ort, also mindestens seit ungefähr der 2. Hälfte der 90er-Jahre. Sowohl östlich als auch westlich dieses Bauernhofes stehen Wälder, der eine etwas größer als der andere. Und weiter südlich ist im Grunde genommen nichts als Land und Wald zu sehen wenn man so will.

So ein paar Pferde auf der Koppel sind schon ein netter Anblick

Der Schneckenwahnsinn und die Natur

Zu meiner Zeit auf der Grundschule bin ich mit dem damaligen Schulfreund in unserer Freizeit das eine oder andere Mal in diesen Wäldern gegangen, haben uns dort umgeschaut und ein wenig Quatsch gemacht. Irgendwann im Sommer 2001, oder vielleicht auch erst im Frühjahr 2002, so ganz sicher bin ich mir da nicht mehr, hatten wir zwei so eine… „Phase“ die, wenn ich rückblickend so darüber nachdenke, doch schon ganz interessant und irgendwie auch ein wenig seltsam war.

Es war zu einer Zeit, da hatten wir damals diese Löwenzahn-CD ROMs gekauft und gespielt. Und in einer dieser CDs von Löwenzahn kam man auf das Thema Schnecken zu sprechen. Aus irgendeinem Grund heraus, wohl kindliche Neugier und/oder intrinsische Motivation, faszinierte mich seitdem das Thema Schnecken auf eine Weise dass man sich schon fragen kann ob das nun einfach nur so ein Tick ist oder ernst gemeint.

Wie dem auch sei, er (der damalige Schulfreund) besuchte mich eines Nachmittages und brachte ein paar Schnecken mit. Inspiriert von einem Löwenzahn-Buch welches meine Mutter mir damals schenkte, bastelte ich mir ein Schneckenterrarium so wie es im Buch stand. Ein wenig Erde aus dem Blumenkübel vom Balkon, ein paar Blätter und Äste aus dem Wald damit sie was zu fressen haben und eine durchlöchterte Frischhaltefolie über die fertig eingerichtete Schüssel ziehen und mit einem Gummiband bespannen damit sich diese Folie nicht ablöst, fertig ist das Schneckenterrarium!

Meine Schwester machte bei dieser Sache für eine Weile lang auch mit und sammelte mit mir im Sommer im Wald ein paar Schnecken und davon gab es dort reichlich.

Die Nähe zur Natur machte all diesen kindlichen Schabernack erst möglich, genau für sowas schätze ich die Vorteile eines Dorfes wirklich wert. Ob jung, ob alt, jeder hat die Gelegenheit dazu, jederzeit nach draußen zu gehen und die Natur zu genießen, denn diese liegt einem geradezu direkt vor der Nase.

Unser Schneckenwahnsinn war aber irgendwann im Winter 2002 beendet, man hatte einfach das Interesse daran langsam aber sicher verloren.

Immerhin war es eine spannende und durchaus unterhaltsame Erfahrung das mit den Schnecken und dem selbstgebastelten Terrarium. Nur unseren Eltern hat das nicht wirklich gefallen, für die waren Schnecken nur Ekeltiere, und sonst nicht mehr.

Immerhin konnten wir alle so diese Tiere in echt und in Action erleben wenn man so will, generell konnte man draußen im Wald so einiges an Tieren live und in Farbe beobachten und erleben.

Felder, Wälder und Wiesen

Wer in so einem Dorf wie ich lebt oder lebte der weiß, dass man es bis zum nächsten Kornfeld oder Wald oder zur nächsten Wiese nicht sehr weit hat. Und die gesunde, frische Luft erst, das kann man als Städter nicht wirklich von sich behaupten. Generell ist es so, dass Kinder die auf dem Land aufgewachsen sind, deutlich weniger anfällig für Allergien sind als Stadtkinder, da diese aufgrund der Nähe zu Pollen aller Art mit genau diesen jedes Jahr aufs neue konfrontiert werden und das Immunsystem so lernt, dass von diesen Pollen keine Gefahr ausgeht und nicht gleich sofort Alarm zu schlagen braucht.

Das kann ich von mir selbst nicht ganz behaupten, ich hatte es immer wieder mit dem berüchtigten Heuschnupfen zu tun, das ging bei mir bis ca. 2006 oder ‘07 so weiter, bis auch ich das nicht mehr hatte. Aber wie es halt so ist, nur weil man auf dem Land aufwächst, heißt das nicht, dass jeder automatisch komplett vor Allergien geschützt ist.

Auf unserer Grundschule hatten wir irgendwann im weiteren Verlauf des Jahres 2001 oder Anfang 2002 das Thema Getreide und Kornfelder. Da bot sich die Nähe zur Natur wirklich perfekt an, lagen diese Kornfelder im Grunde genommen direkt gegenüber unserer Schule auf der anderen Straßenseite. So konnten wir Roggen, Gerste, Weizen, Raps und Mais im Verlaufe eines jeden Jahres am lebenden Exemplar erleben und das in all ihren Wachstumsphasen. Man kam so ziemlich jeden Tag daran vorbei, außer an Wochenenden und in den Schulferien.

Und wenn man mal Glück hatte und zur rechten Zeit da war, konnte man die einzelnen verschiedenen Landmaschinen in Action sehen als da wären beispielsweise der Pflug oder der Mähdrescher. Und die Fahrzeuge die die ganzen Heuballen produzieren die auf den Feldern kreuz und quer herumliegen, auch diese durfte ich schon das eine oder andere mal erleben. Ist zwar nicht so spannend, aber für den Unterricht damals durchaus interessant.

Wir lernten so, woher das Mehl kommt (nämlich hauptsächlich von Roggen und Weizen) und dass aus diesem Mehl Brot gemacht werden kann, wir lernten, dass man aus Gerste Bier braut und dass man Mais unter anderem für das Herstellen von Popcorn verwendet.

Auch kam das Thema Kartoffeln dran und wie es der Zufall so will, baut der örtliche Bauer auch Kartoffeln an. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie wir mal eines Tages als Klasse mit unserer Klassenlehrerin hin zu diesem Bauern gingen und ihm einen Besuch abstatteten. Er erzählte uns ein wenig was von seiner Arbeit, über Kartoffeln und so und am Ende durften wir uns jeder eine Kartoffel von ihm nehmen. Diese Kartoffeln lagen alle auf einem sehr großen Haufen und waren in allen möglichen Größen vorhanden, ganz kleine, mittelgroße und ganz große.

Generell machten wir ein paar Ausflüge ins Freie wenn das Wetter mal schön war.

Da gab es in einem Wald südlich des Dorfes einen Froschteich den wir mal alle besucht hatten. Ich weiß noch, dass alle Zweit- oder Drittklässler, ich weiß es nicht mehr so genau, jedenfalls der ganze 2. oder 3. Jahrgang einen großen Ausflug weiter südlich und wohl schon außerhalb von Wulfen, auf einer großen Wiese machten und sowas wie ein Kartoffelfest feierten.

Alles in der freien Natur.

Die Eltern eines damaligen Mitschülers hatten sogar eine große Wiese in Besitz, mit Pferden, Hühnern und Hängebauchschweinen. Diese Wiese die schon recht groß war, durften wir auch besuchen, sogar 2 mal.

Es war alles in allem absolut fantastisch: Die Nähe zur Natur weckte in mir das Interesse für die Naturwissenschaften, ich konnte die Natur aus nächster Nähe betrachten und in echt erleben. An und für sich war es schön, in einer so ruhigen Ortschaft aufgewachsen zu sein. Kaum lästiger Straßenverkehr, außer auf der Hauptstraße, man kennt sich von woher und es geht viel persönlicher zu als in der Anonymität einer Großstadt.

Jedes Jahr wird dort was anderes angebaut, mal Mais, mal Weizen, mal Roggen - In diesem Fall ist es Gerste

Das Dorfleben hat seinen Preis

Doch das Leben auf dem Dorf ist nicht perfekt, doch perfekt ist sowieso gar nichts. Der Preis den man dafür zahlt ist unter anderem die nicht immer wirklich ausgereifte Infrastruktur und je nach Lage muss man bis hin zur nächsten Stadt schon einige Kilometer fahren, ob mit dem ÖPNV oder mit dem Auto oder was zweirädigem wenn man über solch ein Gefährt verfügt.

Viele Dörfer haben zwar auch ihre eigenen Arztpraxen, doch wer ins Krankenhaus muss, tja, der muss halt in die Stadt fahren. Das ist in Wulfen auch nicht anders. Einen Media Markt oder Saturn gibt es sicherlich auch nicht in Dörfern, zumindest habe ich bis heute noch kein Dorf erlebt, welches über solch einen großen Elektronikmarkt verfügt. Wer sich also eine Playstation, Xbox, Digitalkamera und was nicht alles kaufen will, muss ebenfalls zur Stadt fahren.

Und viele größere Arbeitgeber sind ebenfalls vielmehr in Städten vertreten sodass man als Dörfler je nach Ortslage durchaus sehr viel mehr und länger pendeln muss denn als Städter.

Und was Kulturangebote angeht und auch Angebote für die Jugend, da stehen Dörfer auch generell schlechter da als Städte was ich selbst schon das eine oder andere mal erleben durfte wenn ich auf der Suche nach sowas war.

So schön das Dorfleben auch sein kann, wem es dort zu ruhig ist, der sollte besser ein Leben in der Stadt führen.

Ein Leben in der Stadt

So ein Leben in der Stadt hat schon was: Man hat sehr vieles in fußläufiger Nähe, der ÖPNV ist mehr als ausreichend gedeckt und ausgebaut, es gibt zahlreiche Kultur- und Freizeitangebote (im Gegensatz zum Dorf) und es gibt so viele Möglichkeiten, sich einander zu begegnen und neue Menschen kennenzulernen.

Im Idealfall liegt der Arbeitsplatz den man hat auch relativ nahe zur eigenen Wohnung, da viele Arbeitgeber ihren Platz in der Stadt und nicht im Dorf haben. So spart man sich das Autofahren oder den Bus bzw. die Bahn, je nachdem. Man könnte also meinen, vom Umweltaspekt her ist ein Wohnort in der Stadt nachhaltiger als ein Dorf, doch dem ist nicht unbedingt so wenn man das genau betrachtet. Ich meine, man schaue sich die zur Rushour rammelvollen Straßen an; Sie sind chronisch verstopft, besonders wenn die Ampel zum zigsten Mal rot ist oder wenn mal wieder eine Straßensperre wegen einer Baustelle ansteht.

Worauf ich damit hinaus will sind die erzeugten Abgase und der Verkehrslärm der so tagtäglich anfällt. Schlimm ist es, wenn man selbst nahe einer solchen vollen Hauptstraße wohnt.

Wie oft musste ich schon das Geheule von Sirenen hören, die von vorbeirauschenden Krankenwagen, Polizeiautos und solchen Fahrzeugen kommt. Jedes Mal geht mir das auf den Sack aber ich kann es nicht verhindern, ich kann nur die Ohren zumachen, Kopfhörer überziehen und Musik hören oder sowas. Aber der Lärm draußen bleibt, ob es mir gefällt oder nicht.

Für mich ist das Problem in einer Stadt, und erst recht in einer Großstadt die Anonymität die man dort hat. Für den einen ist es von Vorteil, für die anderen ein Nachteil, ganz nach der eigenen persönlichen Einstellung. Kaum einer kennt sich wirklich, man sieht vielleicht jemanden und erinnert sich sicherlich auch daran, diese Person schon mal irgendwo gesehen zu haben aber das wars dann auch schon. So eine Stadt ist schon riesig im Vergleich zu einem kleinen bis mittelgroßen Dorf.

Ich selbst bin 2019 für mein Studium nach Essen gezogen und habe die Vorzüge einer solchen Stadt schnell zu schätzen gelernt. Seit ich dort bin, bin ich nie mehr wieder mit dem Bus gefahren da so ziemlich alles in fußläufiger Nähe liegt. Nur wenn ich mal nach Düsseldorf will, dann muss ich die S-Bahn oder den Zug nehmen. Aber sonst, ich kann mich diesbezüglich gar nicht beklagen.

Städte können einen ganz schnell komplett verschlingen

Ich weiß nicht ob es nur mir so geht, aber ich bin sehr schnell zum Schluss gekommen, dass so eine Stadt, vor allem Großstädte einen sehr schnell regelrecht verschlingen, einen auffressen und völlig unbedeutend erscheinen lassen.

Der Lärm, der ganze Trubel und diese Hektik, diese Schnelllebigkeit sind nicht mein Fall. Und einen großen Nachteil haben Städte wie München, Berlin, Köln und Düsseldorf und wie sie nicht alle heißen gemein: Es sind die hohen und immer höher werdenden Mieten die sich immer weniger leisten können.

Und kannst Du dir das nicht leisten, verlierst im schlimmsten Fall deine Bude und landest mit etwas mehr Pech auf der Straße, dann hat dich die Stadt verschlungen und vernichtet.

Vielleicht liegt es unter anderem auch daran dass ich einfach viel zu lange auf dem Dorf, in Wulfen, lebte und ich mich immer noch teils etwas schwer damit tue, aber so sehr ich die Vorzüge einer Großstadt zu schätzen weiß, so deutlich sehe ich auch die Nachteile.

Nicht immer ist es so, aber es gab schon oft genug Tage an denen ich durch die Stadt ging und mich ein wenig wie ein Ausländer oder einfach wie im Ausland fühlte. Es überkommt mich manchmal das Gefühl, ich passte einfach nicht so recht hier rein.

Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass ich generell ein relativ zurückgezogenes Leben führe.

Vielleicht bin ich im Herzen viel zu sehr Dorfkind geblieben als dass ich mich mit dem Trubel des Stadtlebens wirklich richtig anfreunden könnte. Ich habe es gerne ruhiger, gemütlicher und einfach… langsamer. Ich liebe durchaus die Langsamkeit im Leben.

Nicht dass ich den Gedanken auf die Entschleunigung, der Befreiung aus der Hektik des Alltages lege, nein, ich meine eher gewohnheitsmäßige Langsamkeit.

Die Schnelllebigkeit einer Großstadt kann einen auch schnell mal überfordern, auch das kann einen schnell verschlingen und schlimmstenfalls kaputt machen. Man lebt zwar irgendwie immer am Puls der Zeit, aber auf Dauer kann das einem auch mal ein wenig zu viel des Guten sein.

Ständig eröffnen neue Läden, Start Ups, Großunternehmen etc. hier und dort mal die eine, mal die andere Filliale und an anderer Stelle schließen wieder welche. Und jedes Jahr sieht es an manchen Stellen deshalb wieder etwas anders aus.

Ich sehe sie immer wieder, die Obdachlosen und/oder Bettler die das Geld dringend brauchen, die gleichen Gesichter dann und wann mal an dieser und an jener Stelle.

So gut wie jede Stadt hat ihre Elendsviertel und Ortsteile die gut situiert sind. Diesen Kontrast sehe ich an manchen Tagen auch ganz deutlich wenn ich mal daran vorbei gehe. Gerade die ärmeren Viertel haben es alles andere als leicht, viele Kinder und Jugendliche können sich teils kaum neue Sachen leisten, geschweige denn sowas wie ein neues Tablet, Laptop oder sowas, Dinge die für die Bildung und die weitere Zukunft essentiell sind.

Vielleicht geht es auch nur mir so, aber mir scheint als sei der Kontrast zwischen arm und reich in Städten größer als in Dörfern. Ich wüsste nicht, wann ich in Wulfen, als ich dort noch wohnte, das letzte mal einen Bettler oder Obdachlosen gesehen haben sollte.

Städte wie Berlin, München oder Köln können für Kulturliebhaber und Freunde des schnellen Treibens und Lebens ein Feuerwerk der Möglichkeiten sein, aber das hat alles seinen Preis.

Wer das Geld nicht (mehr) hat, sich dort seine Bleibe leisten zu können, entweder durch Arbeitslosigkeit, Schicksalsschläge oder sonstige Umstände, den frisst die Stadt auf, zersetzt einen und spuckt ihn am Ende wieder aus.

Die Obdachlosen und Bettler können vielleicht absolut nichts dafür, dass sie in solchen Umständen vor sich hin existieren müssen. Es sind zerstörte Existenzen, die Großstadt hat sie einfach ausgespuckt und sich selbst überlassen in einer Weise welche eines Menschen absolut unwürdig ist.

Kultur, Vereine und anderes

So eine Stadt hat im Vergleich zu einem Dorf schon deutlich mehr Möglichkeiten, (neue) soziale Kontakte zu suchen und zu finden, keine Frage. Auch ich habe ein paar neue Leute im Leben kennengelernt, das war mir aber auch vor allem durch die örtliche Nähe möglich. Gerade jemand wie ich, der kein Auto oder sonst einen fahrbaren Untersatz besitzt, profitier davon ungemein. So kann ich im Idealfall alles zu Fuß erreichen, ohne auch nur ein einziges mal mit dem ÖPNV fahren zu müssen. Und selbst wenn die Bahn mal streikt, kann ich immer noch, sofern das innerhalb der Stadt, insbesondere der umliegenden Viertel liegt, erreichen. Die Unabhängigkeit davon ist für mich ein Riesenvorteil und ich kann mir theoretisch alle möglichen Kultur- und Freizeitangebote anschauen soweit das die Möglichkeiten zulassen.

Die Flaniermeilen sind ein beliebter und guter Treffpunkt für Jung und Alt, hier treffen sich Menschen aller Colouer und Schichten. In den Einkaufs- und Flaniermeilen sieht man fast tagtäglich den Kontrast zwischen arm und reich und die große Mehrheit die sich im Bereich dazwischen befindet.

Wenn ich mich mal in der Freizeit als Straßenmusiker an der Gitarre verdinge, sehe ich das erst recht sehr deutlich. Und der Vorteil den ich als solch ein Musiker habe ist, das ist der Publikumsverkehr, vorausgesetzt, das Wetter ist zumindest halbwegs schön.

So kommt immer wieder mal einer vorbei und ein paar Cent, im besten Fall sogar ein paar Euros in den, ich will nicht sagen Gitarrenkoffer, aber halt in die Gitarrentasche ein. Und das Lob und die Anerkennung ist es mir auch wert. So leiste auch ich ein wenig was für das Stadtbild, ob nun positiv oder negativ, ist mir dabei erstmal völlig wurscht. Ich mache das aus Spaß an der Freude und weil es für mich die Möglichkeit bietet, mir den einen oder anderen Euro hinzu zu verdienen.

In einem Dorf ist das nicht immer möglich, schon gar nicht wenn es sich um ein absolutes Hinterhofkaff handelt. Das ist bei Wulfen zum Glück nicht der Fall, denn dort habe ich an bestimmten Orten auch sehr viel Leben beobachten können. Und ich kenne das Dorf sehr gut, bin ich dort doch, teils auch unverschuldet und durch viele Probleme im Leben die mich am Fortschritt hinderten fast mein Leben lang aufgewachsen.

Hier in Essen habe ich zumindest zum großen Teil all die Dinge gefunden die ich im Dorf so nicht finden konnte. Ich habe es hier einfacher, neue Leute kennenzulernen, ich kann theoretisch fast überall hin soweit mich die Füße tragen können und bin deshalb von anderen, wenn ich mal wo hin muss, von fast allen unabhängig.

Fehlende Nähe zur Natur und Urbanisierung der Dörfer

In einer Sache tun mir vor allem die Großstadtkinder leid: Die fehlende Nähe zur Natur. Klar hat so ein Stadtleben viele Vorteile, aber es ist auch ein ganz anderes Leben dort. Stadtkinder machen in ihrem Leben aufgrund ihrer Umgebung ganz andere Erfahrungen als Dorfkinder. Die Natur, die Wildnis und die Tiere da draußen sind in der Stadt Mangelware. So ein Stadtpark klingt sicherlich ganz nett, ist aber kein Vergleich zur richtigen, echten Natur da draußen wie sie leibt und lebt. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann vermisse ich diese Nähe zur Natur dann doch schon ein wenig. Ein Park ist einfach nicht das Gleiche, es ist „nur“ ein billiger Ersatz dafür. Diese geradezu meditative Stille die draußen in den Feldern, Wäldern und Wiesen herrscht, fehlt hier einfach.

Es heißt zwar, Stadtluft macht frei, aber so gesund ist diese nun auch nicht. Zwar macht eine Stadt freier vom ÖPNV und so, aber sie verschlingt einen auch schnell.

Was für Stadtkinder manchmal sonderbar erscheint, ist für ein Dorfkind wie mich eine Selbstverständlichkeit. Doch die zunehmende Urbanisierung macht auch vor Dörfern keinen Halt was ich im Laufe meines Lebens mehrfach teils hautnah miterleben durfte.

Ich durfte miterleben, wie ein Bolzplatz, der ganz früher auch als Festwiese für die regelmäßig stattfindenen Schützenfeste diente, platt gemacht und bebaut wurde. Nun steht da eine Förderschule statt einer Wiese.

Und Teiles eines Kornfeldes existieren so nicht mehr, der Ort an dem ich bis 2003 wohnte, wurde östlich um ein gutes Stück ausgebaut.

Nun stehen dort eine Menge Einfamilienhäuser, Doppelhäuser und ein kleiner Spielplatz.

Aber genau dort wo ich mal wohnte, war bis in die 1970er-Jahre hinein fast nur Feld, Wald und Wiese. Die Bebauung freier Landflächen setzte sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte einfach nur fort, wenn auch eher im gemütlichen Tempo.

Fazit

Vielleicht sehe ich einiges auch etwas zu negativ, vielleicht fehlt mir vor allem bezüglich des Stadtlebens die nötige Langzeiterfahrung, ich weiß es nicht genau. Ich bin in meinem Leben schon ein paar mal umgezogen, einmal innerhalb des Dorfes in einen anderen Ortsteil, dann nach Dorsten, dieser einen Kleinstadt wo die Buchautorin Cornelia Funke geboren wurde (für so ca. etwas über einem Jahr) und dann im September 2019 nach Essen.

Ich denke, eine Kleinstadt oder ein größeres Dorf in Stadtnähe ist der beste Kompromiss den man schließen kann sofern man das Glück dazu hat.

Sowohl Dörfer als auch Städte haben je nach Größe ganz unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Ich habe es zwar gern, wenn mal etwas los ist, aber eben auch nicht zu viel. Mir liegt die große Hektik einer Stadt nicht wirklich, ich bin wie schon gesagt viel mehr ein Mensch der die Langsamkeit im Leben zu schätzen weiß.

Ich bin wohl für die Stadt einfach nicht gemacht und hätte ich das Geld und so auch die Möglichkeit, ich würde früher oder später wieder in ein großes Dorf oder in eine Kleinstadt ziehen. Am besten in eine, die eine gewisse Nähe zu Städten wie Düsseldorf oder Köln hat, sodass ich bei Gelegenheit und Bedarf immer noch ab und an mal das große Treiben der Städter erleben kann ohne dass es mir zu viel wird.

Sowohl Städte als auch Dörfer sind wenn man es so betrachtet, ganz eigene Welten. Es sind irdische Welteninseln mit all ihren Eigenheiten, die einen jeden Ort einzigartig machen und zu dem machen was dieser ist.

Ich habe Wulfen als einen ganz eigenen kleinen Mikrokosmos erlebt, allerdings auch als Gefängnis. Darauf werde ich vielleicht in einem anderen Beitrag eingehen.

Städte wie Essen und Düsseldorf habe ich dagegen zumindest in einigen Aspekten als Orte erlebt, wo man sehr viele Möglichkeiten hat, zu leben und sich durchaus neu zu entdecken und erfinden. Allerdings auch zu einem mehr oder weniger hohen Preis.

Ich habe diese Städte nicht einfach als Mikrokosmos erlebt sondern als ganze Universen die eigenständig leben mit einem eigenen Ökosystem welches einem Dorf so in der Form, zumindest in dieser Ausprägung, fehlt. Vor allem die Infrastruktur einer jeden Stadt ist schon ein sehr großer Vorteil für Menschen wie mich.

Die Straßen- und U-Bahnen sowie die die Straßen als solche sind die Nervenbahnen einer jeden Stadt und diese sind voller Leben. Nachts ist dort wenig los aber sobald es draußen hell wird, fängt das Leben überall an zu pulsieren und seinem Treiben nachzugehen.

Während die großen und mittelgroßen Städte wie größere Galaxien im Universum sind, sind Dörfer eher die Zweggalaxien. Die Unternehmen die in den jeweiligen Orten ansässig sind, die ganze Innenstadt eines jeden Orte, das sind das Herz und die Nieren die diese Orte am Leben erhalten. In einem Dorf wie dem wo ich aufgewachsen bin, ist die Welt klein, aber genau das macht für mich auch den Reiz aus. Es ist alles relativ gut überschaubar und vieles ist dort sehr viel persönlicher als in der Anonymität einer Großstadt.

Vielleicht ginge es vielen kleineren und auch größeren Dörfern wie dem wo ich einst lebte bedeutend besser, wenn man die Infrastruktur und Kultur- und Freizeitangebote massiv ausbauen würde. Daß viele gerade junge Menschen aus dem Land bzw. Dorf in die Stadt flüchten hat schon seine Gründe. Man sollte das Dorfleben wieder attraktiver machen sodass diese Landflucht nicht zu stark wird als dass diese ohnehin schon deutlich spürbar ist.

Nur will die Politik dafür kaum bis gar nichts tun, fühlt sich dafür nicht verantwortlich und hält sich aus dieser Sache raus. Politik war und ist nicht die Lösung, das müssen die Bürger selbst tun. Und dafür gibt es mehr als genug Möglichkeiten, wenn man denn sich wirklich mal zusammentun und richtig den Hintern hoch bekommen würde.

Das ist mein persönlicher Blick auf das Leben auf dem Dorf und in der Stadt. Wir ihr das als Leser betrachtet, ist ganz euch überlassen. Vielleicht gibt es da draußen noch den einen oder anderen, der was zu diesem Thema sagen kann.

Schreibe einen Kommentar